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Über echtzeit

Unter Echtzeit versteht man eine simultan zur Realität ablaufende Zeit. Das sagt das Wörterbuch. Im Alltag begleitet uns Echtzeit ständig. Denn das Hier und Jetzt genügt uns nicht mehr. Wenn etwas auf einem weit entfernten Teil der Erde passiert, können wir auf Twitter in Echtzeit dabei sein. Wenn ich ein Konzert besuche, kann ich in den sozialen Medien „live gehen“ und meine Freunde sind in Echtzeit dabei. Wenn ich wissen will, wie meine Aktien stehen, kann ich die Börsenkurse in Echtzeit abrufen. Und wenn ich wissen möchte, wer gerade diesen Beitrag liest, kann ich in Echtzeit beobachten, wer sich auf meiner Seite befindet. Wir können alles zu jeder Zeit erleben und erfahren, gleichzeitig und unaufhörlich.

Hier verstehe ich etwas anderes unter Echtzeit. Denn wenn wir alles jetzt erleben, verlieren wir das Gefühl dafür, Zeit echt zu erleben. Das Gefühl, ganz in der Gegenwart zu sein, hier und bei sich zu sein. Denn wir sind ständig empfangsbereit für die Impulse und Anforderungen von außen. echtzeit ist kein Blog über die Verlangsamung des Lebens und auch kein Blog über die Beschleunigung des Lebens. Wir sind doch, zwischen unserer durchökonomisierten Zeitplanung, mit einer effizient und möglichst intensiv genutzten Zeit auf der einen Seite, und dem Bedürfnis nach Ruhe, Muße und Zeit zum Reflektieren auf der anderen Seite, auf der Suche nach der richtigen Geschwindigkeit.  Um diese Suche geht es.

Wie muss Arbeit neu gedacht werden, um uns einen zufriedenstellenden, selbstbestimmten Umgang mit der Zeit zu ermöglichen?

Wie können wir so etwas wie Zeitsouveränität und Zeitwohlstand erlangen. Wie können wir in einer immer schneller werdenden Welt, die uns immer mehr Möglichkeiten eröffnet, unsere Zeit so gestalten, dass wir nicht gestresst und überfordert sind, sondern gesund und zufrieden. Wie muss die Arbeitswelt beschaffen sein, wie muss Arbeit neu gedacht werden, um uns einen zufriedenstellenden, selbstbestimmten Umgang mit der Zeit zu ermöglichen. Davon handelt echtzeit.

Über mich

Kennt ihr das auch? Dieses allgegenwärtige Gefühl, Tausend Dinge tun zu wollen – und zu müssen, und dafür viel zu wenig Zeit zu haben. Dieser Wunsch, so viel wie möglich aus der Zeit herauszuholen, und trotzdem genügend Raum fürs Nichtstun zu haben, für Muße. Ich bin sicher, dass es nicht nur mir so geht, sondern dass diese ständig empfundene Zeitknappheit ein sehr verbreitetes Lebensgefühl unserer Zeit ist. Ich möchte verstehen, warum das so ist. Deswegen habe ich mich in meinem Soziologie-Studium an der Universität Bielefeld und an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, mit den Schwerpunkten Arbeitssoziologie und Mediensoziologie, intensiv damit beschäftigt, wie sich unsere Gesellschaft zu der Beschleunigungsgesellschaft entwickelt hat, die sie heute ist. Warum wir Menschen dieses Beschleunigungsspiel überhaupt mitspielen, und mehr, und noch mehr in noch kürzerer Zeit erreichen, erleben und erledigen wollen. Und warum uns das krank machen kann.

Im Jahr 2015 habe ich meine Masterarbeit genau darüber geschrieben, Beschleunigung als Strategie und Problem der Lebensführung. Anschließend habe ich als Volontär und Redakteur für die Neue Westfälische gearbeitet, in einer Branche also, deren Geschäft die ständige und schnelle Informationsverbreitung ist und die selbst unter gehörigem Zeitdruck arbeitet. Da musste ich raus. Nun schreibe ich hier und arbeite in Teilzeit für die Medienagentur NOW in Bielefeld und als freier Journalist für verschiedene Medien.